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(c) PESTER LLOYD / 11. Juni 2008

 

Rare Ware Facharbeiter

Erste Deutsche Wirtschafts- und Kulturmesse in Temeswar, Rumänien

Wenn Sie beim Bummel durch eines der wie Pilze aus dem Boden schießenden Shoppingzentren auf einen gut gekleideten Menschen treffen, der ihnen freundlich einen gewaltigen technischen Großbehälter oder einen Getränkeautomaten ans Herz legt, dann sind Sie möglicherweise unversehens auf einer Wirtschaftsmesse gelandet.

Vielleicht schauen sie sich verwundert um, aber wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg halt zum Propheten kommen. Dieses Sprichwort mögen die rund 140 Mitglieder des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs Temeswar (DWC) im Hinterkopf gehabt haben, als ihnen gemeinsam mit dem deutschen Konsulat die Idee für die erste Deutsche Wirtschafts- und Kulturmesse gekommen ist.

Nach Angaben von DWC-Präsident Peter Hochmuth sollte diese am ersten Juniwochenende in der Iulius Mall der Banatmetropole abgehaltene Veranstaltung einer breiteren Öffentlichkeit deutschsprachige Firmen sowie den Wirtschaftsclub als D.A.CH-Verband vorstellen. Als Arbeitgeber sind die Firmen in der Region durchaus bekannt – vor allem große wie Siemens oder Continental doch auch die vielen klein- und mittelständischen Betriebe wollten die Gelegenheit für etwas Publicity nutzen.

Insgesamt repräsentieren die deutschsprachigen Unternehmen zwischen 30- und 50-tausend Arbeitsplätze.

Den Ruf verteidigen

Die knapp 40 Aussteller aller Größen und unterschiedlichster Branchen verdeutlichen die Vielfalt und beweisen: Wir bieten zahlreiche Produkte sowie Dienstleistungen und sind attraktive Arbeitgeber.“ Hochmuth erinnert an den nicht zuletzt geschichtsbedingt hervorragenden Ruf, den er und seine Wirtschaftskollegen vom DWC Temeswar verteidigen und weiter ausbauen wollen.

Die Messe in der riesigen Iulius Mall solle Beleg dafür sein, dass Deutschsprachige hier waren und wieder hier sind, sich dabei aber nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell engagieren. Es gehe nicht ausschließlich ums Geldverdienen!

Plus und Minus

Auf die Frage nach dem Warum dieses Engagements im Banat verweist der Geschäftsmann auf einen Dreiklang aus niedrigen Kosten sowie geographischer und mentaler Nähe zu West- und Mitteleuropa. Natürlich sei man einst gekommen, um kostengünstig für den westeuropäischen Markt produzieren zu können. Westliche Mentalität und die deutsche Sprache seien im Banat weit verbreitet. Es sei hier einfacher, als in einem Land mit kyrillischen Buchstaben (etwa Serbien oder die Ukraine) oder vor dem Hintergrund einer schwierigen Sprache – eine deutliche Anspielung auf das benachbarte Ungarn.

DWC-Chef Peter Hochmuth (links) und Konsul Rolf Maruhn mit Mitarbeiterinnen des Konsulats und des Deutschen Kulturzentrums Temeswar

Doch natürlich ist auch hier im Banat nicht alles nur eitel Sonnenschein. Zu den Problemen zählt DWC-Chef Hochmuth die nach wie vor herrschende Bürokratie, auch wenn diese mit dem rumänischen EU-Beitritt abgenommen habe. Darüber hinaus werde es immer schwerer, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Die Infrastruktur hinke westeuropäischen Standards erheblich hinterher. Die Straßen würden immer schlechter, gleichzeitig wachse das Verkehrsaufkommen, doch investiert werde in diesem Bereich kaum.

Auch die medizinische Struktur lasse zahlreiche Wünsche offen, wie auch die Hochschulausbildung Verwässerungstendenzen aufzeige. Eine Facharbeiterausbildung finde praktisch nicht statt. Laut Hochmuth soll aber gerade die zweitägige Messe beim Aufspüren der raren Ware Facharbeiter helfen.

Made in Banat“ birgt für Qualität

Dem Beobachter fällt auf, dass der geographische Begriff Banat quasi zum Qualitätssiegel hochstilisiert wird. Somit dient das „Made in Banat“ als deutliche Abgrenzung gegenüber dem Rest Rumäniens.

Temeswar - eigentl. Timisoara “ist im übrigen eine rumänische Stadt”, belehrte uns vorauseilend einer ihrer bekanntesten Söhne, der Wiener Operndirektor Ioan Holender, anlässlich eines Interviews

In diesem Zusammenhang verweist Peter Hochmuth auf die Tatsache, dass Banat“ innerhalb des Landes als Qualitätszeichen gilt. Das Banat sei bekannt, Rumänien als solches habe einen – mehr oder weniger berechtigten – schlechten Ruf. Diesen Ruf rasch zu verbessern, sei schwierig. Folglich müsse der positiv besetzte Begriff weiter propagiert und ausgebaut werden.

Abschließend sei das Messefazit zitiert, das auf der Internetpräsenz des deutschen Konsulats Temeswar als Ko-Initiator nachzulesen ist: Durchweg alle Aussteller äußerten sich zufrieden bzw. begeistert über Publikumsresonanz und Erfolg dieser ersten, aber voraussichtlich nicht letzten Veranstaltung dieser Art.“

Text und Fotos: Frank Fischer

Deutschsprachiger Wirtschaftsclub
www.dwc.ro

Deutsches Konsulat
www.temeswar.diplo.de

(c) Pester Lloyd

Zu diesem Thema: Tausendjährige Komplexe: Ungarn und die Slowakei
 

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