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(c) PESTER LLOYD / 25. April 2008

 

MOL - OMV

Von Wirtschaftspatrioten und Knieschüssen

Nach der MOL-Hauptversammlung schwankt die Stimmung in Wien zwischen Trotz und Realismus

Dass die OMV nun unter Umständen die Gerichte bemühen will, um ihre Niederlage bei der Hauptversammlung der MOL in einen Sieg um zu operieren, ist nicht gerade ein Zeichen der Stärke. "OMV ist entschlossen sicherzustellen, dass der MOL-Vorstand nicht länger international anerkannte Corporate Governance Standards ignorieren darf und dass Aktionären wieder das Recht zukommt, über die zukünftige Ausrichtung ihres Unternehmens abzustimmen und sich dabei entsprechend einzubringen." - Aus dem "Showdown in Budapest" ist - da ist sich die öst. Presse weitgehend einig - ein eher unwürdiges Gemetzel geworden.

Die OMV-Raffinerie in Schwechat bei Wien, Foto: OMV

Der stets bemühte Vorwurf des Protektionismus bei der MOL geht angesichts des 31,8%-igen Staatsanteils bei der OMV allmählich ins Leere. Daher versucht man nun die Aktionäre mit Slogans wie "Wertvernichtung" aufzustacheln. Sogar mit dem Wirtschaftsblatt, dass sonst mit den eigenen Leuten eher hart ins Gericht geht, gingen neulich die Pferde durch, als es in einem Kommentar feststellte, dass sich "der MOL-Vorstand Politiker hält wie andere Schoßhündchen." In Österreich ist es freilich umgekehrt, da sind die Manager der "Staatsbetriebe" eindeutig die Schoßhündchen der Politiker und Platzhalter eines schon als pathologisch zu bezeichnenden Proporzsystems.

Es stimmt, dass die OMV Vertreter fast demütigend vorgeführt worden sind. Alle ihre Anträge wurden höhnisch abgeschmettert. Aber man kommt hier nie auf den Gedanken, dass man diese feindselige Haltung durch präpotente Presseaussendungen und ein vielfaches "Dagegen" im Vorfeld selbst heraufbeschworen haben könnte.

Bei der OMV brennt derzeit der Hut

Realisten, und auch die gibt es in Österreich, sehen die Sache daher nüchtern: die MOL will sich nicht von der OMV übernehmen lassen und hat ausreichend Schritte unternommen, eine solche Übernahme selbst beim Kippen der derzeitigen Stimmrechtsbeschränkung zu verhindern. Im Schmieden von Koalitionen sind die Ungarn momentan eine Tankstutzenlänge voraus. Den tschechischen Energieriesen CEZ und gar Oman Oil ins Boot zu holen, war ein wirklich starkes Stück (Slovnaft und die Tankstellen der kroatischen INA besitzt man schon länger). Einen "Öl-Scheich" in den Vorstand zu wählen, statt der "Freunde" aus Österreich, sieht man als weiteren Affront.

In punkto Effizienz und Unternehmensstrategie ist der Kampf noch nicht entschieden, doch brennt bei der OMV an einer anderen Front einigermaßen der Hut, nachdem Gazprom mit einer Umleitung der "South-Stream"-Pipeline über Slowenien und damit vorbei am Gashub in Baumgarten gedroht hat, sollte man ihnen den Zugang zum Endkunden versperren. Nun steht man vor der Frage, das gewinnträchtige Handelsgeschäft mit den hungrigen Russen teilen zu müssen und der Gazprom damit Einlass in eine traditionelle Domäne der OMV zu gewähren oder zu riskieren, dass Baumgarten vom quasi Monopolverteiler für Erdgas nach Westeuropa zu einer regionalen Verteilstelle degradiert wird. OMV-Chef Ruttenstorfer hatte kurz vor der Drohung der Russen das Schmieden einer Koalition mit der MOL gegen die Expansionsgelüste der Gazprom als Lockangebot nach Budapest gesandt. Ganz offensichtlich hat er sich damit einen sauberen Knieschuss verpasst.

Für die OMV als Teil der "Österreich AG" ist es schlichtweg unvorstellbar eines Tages zum Tochterunternehmen eines ungarischen Konzerns zu werden

Auch die Ankündigung der Ungarn, 70-100 MOL-Tankstellen in Österreich eröffnen zu wollen, verbreitet Sorge, auch wenn man sich um ein Pokerface bemüht und die Pläne für kaum realisierbar, also reine Rhetorik, hält. Fakt ist, dass MOL Ende März die erste Station (eine ehemalige Jet-Tankstelle im steirischen Leoben) in MOL-Farben getaucht hat. Außerdem besitzt die MOL über 70% an der Roth-Heizöle des ungarischen Honorarkonsuls in Graz Mag. Roth, womit die Frage nach der Umsetzung der Pläne bald beantwortet sein könnte.

Für die OMV als Teil der "Österreich AG" und die sie unterstützende Spezies der Wirtschaftspatrioten ist es schlichtweg unvorstellbar eines Tages zum Tochterunternehmen eines ungarischen Konzerns zu werden, erst recht, da derzeit das Umsatzverhältnis noch bei 19:11 Mrd. EUR liegt. Gegenüber der feindseligen Haltung des Schwagers ist man also eigentlich ratlos und übersieht in neokolonialer Selbstüberschätzung auch nur die Möglichkeit, dass sich das Blatt allmählich wenden könnte - ob die Karten gezinkt sind oder nicht.

Marco Schicker

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Es zeigt sich mal selbstsicher-arrogant, mal ironisierend, wenn es um Stellungnahmen zu den Umarmungsversuchen der OMV gebeten wird. Budapest verzeiht dem Konkurrenten nicht, im Vorjahr mit der Tür ins Haus gefallen zu sein.

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