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(c) PESTER LLOYD / 4. April 2008
Beleidigt, instabil - aber hoffnungsvoll
Serbien vor dem Wahltag am 11. Mai: Eine Entscheidung des serbischen Volkes für die proeuropäischen Kräfte, könnte der Wirtschaft in Serbien den entscheidenden Impuls geben. Eine Analyse und - vorsichtige - Prognose.
Serbien ist politisch in Europa immer noch weitgehend isoliert. Die Unabhängigkeit des Kosovo als Kriegsstrafe hat nicht nur Nationalisten schwer getroffen, sondern es auch einer aufgeklärteren jüngeren Generation für einige Zeit sehr schwer gemacht, sich mit Argumenten pro Europa Gehör zu verschaffen. Dieser Verlust wird von dem Land kollektiv als Demütigung empfunden und fördert Nationaltrotz, irrationale "Freundschaft" zu Rußland, statt einer Öffnung nach Europa, dass sich augenscheinlich selbst gegenüber Serbien verschliesst. An diesem Kampf der zwei Richtungen zerbrach schliesslich auch die regierende Koalition in Belgrad, der Miniterpräsident trat zurück, Neuwahlen zum Parlament wurden für den 11. Mai angesetzt. Der Ausgang ist offen - die Lage somit instabil.
Oft sind eine prosperierende Wirtschaft, also Arbeitsplätze, klingende Münze, Perspektiven hilfreiche Medizin in ausweglos scheinender politischer Lage. Doch auch die bedarf einer verläßlichen Prognose auf Stabilität, also Vertrauen, um zu wachsen. „Wir bleiben bei dem Szenario, dass Serbien auch weiterhin einen EU-Kurs verfolgen und mittelfristig die erfolgreichen Konvergenzbestrebungen fortsetzen wird. Kurzfristig wird die politische Lage nur mäßige Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung haben. Sollte sich die Lage anders entwickeln, würde dies mit hoher Wahrscheinlichkeit eine beträchtliche negative Revision der Prognosen bedeuten“, erklärt Alen Kovac, Makroanalyst der Erste Bank. Und die müssen es schliesslich wissen, als Vertreter des Finanzkapitals, dieses scheuesten Rehs der Ökonomie. Und tatsächlich könnte eine gute wirtschaftlche Entwicklung und Kooperation mit dem EU-Raum in absehbarer Zeit alle Argumente von Nationalisten vom Tisch fegen.
Dringend nötige Reformen für Investitions-Rahmenbedingungen und die Fortführung des Privatisierungsprozesses sind momentan - in Zeiten des Wahlkampfes - stark eingebremst.
Die Experten der ERSTE Bank erwarten für das Gesamtjahr 2007 ein BIP-Wachstum von 7,2% gegenüber dem Vorjahr und für 2008 eine immer noch ziemlich kräftige jährliche Wachstumsrate des BIP von 6,3%. Besonders gut entwickelten sich in letzter Zeit das Verkehrswesen und Kommunikation mit einem Plus von 24,3% gegenüber dem Vorjahr, unterstützt von Groß- und Einzelhandel (+18.1% gegenüber dem Vorjahr) . Das Leistungsbilanzdefizit erreichte USD 6,9 Mrd. Damit verzeichnete es gegenüber dem Vorjahr einen kräftigen Anstieg um 88%, sein geschätzter Anteil am BIP belief sich auf 16,9% (+5Pp auf Basis 2006). Die kräftigere Inlandsnachfrage, die Befestigung des Wechselkurses und die höheren Energiepreise führten zu einem deutlichen Anstieg der Importe. Die Exporte litten unter der verminderten Konkurrenzfähigkeit, dem Anstieg des realen Wechselkurses sowie den negativen Folgen einer verwaltungsrechtlichen Entscheidung, über einige Landwirtschaftsprodukte ein Exportverbot zu verhängen. Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen (FDI) fiel deutlich niedriger als 2006 aus und war für einen BIP-Anteil von 5,4% verantwortlich. Er betrug damit nur geringfügig über 30% des gesamten Leistungsbilanzdefizits. „Die FDI-Zuflüsse sollten 2008 etwa USD 3 Mrd. betragen, doch ist diese Prognose vom politischen Umfeld abhängig. Die Verschuldungskennzahlen sollten hauptsächlich dank des soliden BIP und der nominell hohen Exportleistung stabil bleiben“, erklärt der Erste Bank Analyst weiter.
Die öffentlichen Finanzen arbeiten mit einem Haushaltsdefizit von 2% des geschätzten BIP alledings erstaunlich diszipliniert. Dies sollte internationalen Investoren ein positives Signal sein. Im Jahr 2007 wurde das Inflationsziel mit 5,4% erreicht, für dieses Jahr werden rund 9% erwartet, 2009 könnte die Teuerung dann wieder zurückgehen.
Dringend nötige Reformen für Investitions-Rahmenbedingungen und die Fortführung des Privatisierungsprozesses sind momentan - in Zeiten des Wahlkampfes - stark eingebremst. Eine Entscheidung für proeuropäische Kräfte könnte Serbien aus dieser Wartehaltung befreien.
M.S., Wien
(c) PESTER LLOYD
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