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(c) PESTER LLOYD / 11. März 2008
Die vergessenen Flüchtlinge
Mitten in Ungarn vegetiert eine Gruppe bosnischer Psychiatriepatienten, die während des Krieges in ihrem Land 1992 nach Ungarn floh. Sie wollen zurück in ihre Heimat, doch weder Botschaft noch Angehörige kümmern sich um die Landsleute. Der Film "Forgotten Fools" erzählt unaufgeregt eine haarsträubende Geschichte.
,,Forgotten Fools“ So lautet der Titel des Dokumentarfilms von Regisseur Frans van Erkel, der am vergangenen Wochenende im Rahmen des holländisch-flämischen ,,Lowfestivals“ vorgestellt wurde. Die Protagonisten: Eine Gruppe bosnischer Psychiatriepatienten, die während des Krieges in ihrem Land 1992 nach Ungarn floh und dort in einem separierten ,,Refugeecamp“ in Debrecen untergebracht wurde. Ihr Wunsch ist, dass sie wieder in ihre Heimat und zu ihren Familien zurückzukehren können – doch bis auf den heutigen Tag ist dies nur einem Mitglied der Gruppe tatsächlich gelungen.
Van Erkels unaufgeregte Dokumentation begleitet die ,,vergessenen“ Flüchtlinge durch ihren Alltag und lässt sie ihre Geschichte erzählen, ohne sie dabei übermäßig zu dramatisieren. Sechszehn Jahre nach dem Ausbruch des Bosnienkrieges lebt die Gruppe immer noch in dem ungarischen Flüchtlingscamp – manche der Beteiligten mit dem Glauben, der Krieg dauere noch an. Die meisten verbringen ihre Zeit damit, auf die tägliche Zigarettenausgabe zu warten.
Parallel dazu werden die Bemühungen der Macher gezeigt, sich mit Institutionen und Botschaften in Verbindung zu setzten. Sie haben die Hoffnung, Gründe genannt zu bekommen, eine Lösung voranzutreiben. Doch alle Anrufe und Briefe bleiben unbeantwortet – und das ist der Knackpunkt des Filmes: Es scheint keine Lösung zu geben. Die Geflohenen haben keine Papiere, sind quasi staatenlos. Sie dürfen nicht zurück nach Bosnien, sind aber auch in Ungarn nicht verwurzelt.
Die Botschaft Bosnien-Herzegowinas lässt sich zu keiner Aussage herab, zahlreiche andere Klärungsversuche scheitern. Selbst die Familien der Zurückgebliebenen scheinen ihre Töchter, Söhne, Väter zwanghaft vergessen zu wollen. Sie reden von „unüberwindbaren Hürden“, die sie von der Suche abhalten; von Sprachbarrieren und tot geglaubten Verwandten. Es scheint, als existiere diese kleine Gruppe nicht. Von allen Seiten nur Ratlosigkeit. Auch der Regisseur kann auf Fragen des ergriffenen Publikums nach dem Warum in der auf die Vorführung folgenden Diskussion nur resigniert mit den Schultern zucken.
,,Forgotten Fools“ ist kein Vorher-Nachher-Film, in dem Effekte heischend ein Skandal aufgedeckt wird. Er zeigt ein Stück Realität, eine Problematik, für die er keine Lösung parat hat.
Auch nach einer internationalen Präsentationen des Filmes im vergangenen Jahr hat sich für die Campbewohner nichts geändert. Der erhoffte politische Druck Richtung Bosnische Behörden ist, falls überhaupt vorhanden, wieder verpufft. Nichts hat sich geändert. Lediglich eine einzige Neuigkeit gibt es: Die Bosnische Botschaft stoppte sämtliche Lieferungen von Kaffee und Zigaretten.
Anna Dillinger
(c) PESTER LLOYD
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