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(c) PESTER LLOYD / 15. April 2008
Österreich ist längst Osteuropa
Die Wirtschaftsuniversität Wien (WU) und die Unicredit Bank gründeten die Forschungs- und Kommunikationsplattform "CEE Student Cercle". Es wurde auch höchste Zeit.
Die "Mobilitätsschranken" bei Studenten aus Österreich zu überwinden und die "stiefmütterliche Behandlung" der mehr als 3.000 regulären WU-Studenten aus osteuropäischen Ländern zu beenden, sind Teil der Motivation gewesen, den "UniCredit CEE Student Cercle WU" zu gründen, der am 14. April im Festsaal der WU aus der Taufe gehoben wurde. Hinter diesem Konstrukt steckt der Wille, "bei Studierenden das Interesse an CEE-Studien zu wecken" und sie für eine spätere unternehmerische oder berufliche Tätigkeit in der Region zu begeistern. Es gibt an der WU bereits Austauschprogramme mit 32 Unis und Hochschulen in der Region, ein CEE-Kompetenzzentrum koordiniert schon seit einigen Jahren die Studieninhalte und Austauschprogramme. Der "Cercle" will nun einen Schritt weitergehen, u.a. über eine Internetplattform Studienmaterialien zur Verfügung stellen, Veranstaltungen mit in CEE engagierten Unternehmen organisieren und so ein Vernetzung zwischen akademischer und unternehmerischer Ebene herstellen.
Merkantile Plattitüdensammlung zur Eröffnung
Doch allein schon die Überwindung von Vorurteilen gegenüber dem ehemaligen "Ostblock" bei den Studierenden aus Österreich und der Abbau von Berührungsängsten bei den Oststudenten untereinander (Stichwort: Balkan) sind weitere wichtige Potentiale dieser Plattform. Während einer Podiumsdisskussion auf der Eröffnungsfeier überwog von Seiten der Uni aber auch der Sponsoren die übliche Schönrednerei vom Wunder der Öffnung 1989, über das Wachstums- und Investitionsparadies Osteuropa, die glänzende Positionierung Österreichs, bis hin zu der alten Selbstüberschätzung von der heilenden Wirkung der Wirtschaft auf politische Konflikte. Kein Wort über die Lebensrealitäten der einfachen Menschen (Kunden) unter einem völlig entfesselten Turbokapitalismus, den Schwierigkeiten osteuropäischer Jungunternehmer und die teils absurden Politikkonstellationen zwischen Nostalgie, Nationalismus und Hyperliberalismus. Man kann nur hoffen, dass die auf der Eröffnungsfeier zusammengestotterte merkantile Plattitüdensammlung, die durchaus koloniale - zumindest aber austromane - Züge trug, und zwar dem Sponsoren zum Munde redete, inhaltlich aber keinen Mehrwert erbrachte, im Fortgang des Cercle einem differenzierten Blick auf eine ambivalente Welt weichen kann, der einer - als unabhängig gedachten - akademischen Einrichtung würdiger ist.
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Foto oben: Erich Hampel, GD der Bank Austria bei der Eröffnung des Cercle am 14. April an der WU Wien, Hier: Studenten der WU (c) WU / Halwachs
Futter für die hungrige Wirtschaft
Auch dass der Cercle nicht von Studierenden gegründet wurde, sondern quasi als Retortenbaby des Uni-Managements starten muss, zeigt, wie dringend hier eine Bewußtseinserweiterung von Nöten ist. Denn Österreich ist - ökonomisch - längst Teil Osteuropas geworden und die ganzen smarten jungen Manager der WU werden fast ausschliesslich in dieser Hemisphäre tätig sein. Wo auch sonst? So gesehen, kommt diese Initiative eigentlich reichlich spät.
Österreichsiche Unternehmen, wie u.a. die Bank Austria, Wiener Städtische, STRABAG und andere wurden zu Osteuropakonzernen, die enormes Wachstum vorweisen und einen schier unstillbaren Hunger nach jungen, gut ausgebildeten und möglichst vielsprachigen Talenten haben, die auch noch willig sind, sich in jedem noch so fern scheinenden Winkel Osteuropas niederzulassen, zu dem - nach der Landkarte der Bosse - auch Russland, die Ukraine und die Türkei zählen. 300 Unternehmen haben in Wien ihre Osteuropazentralen aufgeschlagen und starten von hier ihre Feldzüge. Ein Viertel der Exporte Österreichs gehen gen Osten. Allein die UNICREDIT-Gruppe will in den nächsten zwei Jahren bis zu 1.000 Filialen in 20 Ländern eröffnet. 2008 werden bis zu 6.000 Mitarbeiter aufgenommen.
Der CEE Student Cercle wird daher in erster Linie ein Recruiting-Center, eine Jobbörse für die Wirtschaft sein, - sollten die Studierenden nicht mehr aus ihm machen können oder wollen.
Die Anmeldung zum "UniCredit CEE Student Cercle WU" ist kostenlos auf www.wu-wien.ac.at/cee möglich.
Marco Schicker, Wien
(c) PESTER LLOYD
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