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(c) PESTER LLOYD / 1. März 2008

 

"Ihr ward eben schneller..."

Der South-Stream-Deal der Ungarn mit Rußland verärgert die Amerikaner. Unterdessen traf Gyurcsány mit Putin und Medvedev zusammen. Fast das gesamte ungarische Kabinett fühlte sich bemüßigt, die amerikanischen Bedenken zu zerstreuen.

Nachdem sich die Europäer mit der South-Stream-Pipeline als russischer Konkurrenz zu "Nabucco" und der Beteiligung Ungarns an dem russischen Projekt trotz Murrens abgefunden haben, da offenbar die Einsicht siegte, dass mehrere Quellen besser als eine sind, wandten sich nun die USA tadelnd an Ungarn.

Matt Bryza, zuständiger Bereichsleiter für Europaangelegenheiten beim US-Außenministerium, mahnte bei einem Treffen mit ungarischen Regierungsvertretern, Ungarn solle "deutlich seine Proritäten" bei Nabucco setzen. South Stream sei so konzipiert, dass es den Zugang der Europäer blockieren könne. Im Gegenteil dazu sollte jedoch eine Diversifaktion der Quellen und Leitungskapazitäten angestrebt werden. Nabucco würde durch Gaslieferungen überwiegend aus Aserbaidshan die Energiebedürfnisse der Ungarn am besten befriedigen und das Land vor einer Abhängigkeit vom russischen Monopolisten Gazprom bewahren. Dass die USA in Aserbaidshan handfeste Geschäftsinteressen im Gasmarkt wahrnehmen, sagte der Politiker freilich nicht.

Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány beeilte sich denn auch zu betonen, dass das geplante Abkommen mit den Russen keineswegs Ungarns Engagement am Nabucco-Projekt beeinträchtigen wird. Finanzminister János Veres sekundierte seinem Premier durch die fragwürdige These, dass durch die Präsenz mehrerer Pipelines auch die Speicherkapazität im Lande und somit die Energiesicherheit erhöht würden. Wirtschaftsminister Csaba Kákosy hat sich indes in Brüssel rückversichert, dass niemand in der EU große Probleme mit dem Deal hat. Und auch Außenminsiterin Kinga Göncz ergänzte, dass South Stream ohnehin gebaut würde, da sei es schon besser, mit von der Partie zu sein. Süffisant fügte sie hinzu: natürlich würden auch die USA akzeptieren, dass Ungarn als souveräner Staat seine Interessen selbst wahrnehme.

Am vergangenen Donnerstag traf Gyurcsány zu einem Kurztreffen mit Rußlands Präsident Putin zusammen, wobei die Vereinbarung unterzeichnet worden ist. "Ihr ward eben schneller als Nabucco", soll Gyurcsány Putin laut MTI gelobt haben, der sich wiederum mit einigen Lobesworten über die verantwortungsvolle Energiepolitik Ungarns bedankte. Der künftige Präsident Dmitri Medvedev, der auch im Aufsichtsrat von Gazprom sitzt, nahm ebenfalls an dem Treffen teil. Insgesamt sollen, laut Putin, 10 Milliarden Kubikmeter Gas durch die Pipeline fliessen, auch die Errichtung eines Gasdepots für 1 Mrd. Kubikmeter ist geplant. Auch Serbien, Bulgarien, Italien und Österreich sind bei dem Projekt mit von der Partie.

 

(c) Pester Lloyd

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