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(c) PESTER LLOYD / 16. Januar 2008

 

Einfluss bis ins kleinste Glied

Bisher unveröffentlichte Dokumente der Securitate an der CEU vorgestellt

Die Central European University (CEU) hat kürzlich rund 300 bis dato unveröffentlichte Dokumente des einstigen rumänischen Geheimdienstes Securitate präsentiert. Die Ausstellung zeigte eindrucksvoll die Verstrickung gewöhnlicher Personen in die Tätigkeit eines Geheimdienstes, der bei seiner Auflösung im Jahr 1990 schätzungsweise 40.000 offizielle und 400.000 inoffizielle Mitarbeiter beschäftigte.

István Rév, Leiter des Open Society Archives (OSA), stellte klar, dass der Zugang zu Archiven kein Privileg, sondern ein grundsätzliches Recht sei. In seinen Eröffnungsbemerkungen führte er aus, dass jene Leute, die in Archiven tätig sind, als „Diener der Öffentlichkeit“ anzusehen seien, ebenso wie die Historiker. „Jene erforschen die Quellen unserer gemeinsamen Vergangenheit und dienen so einem allgemeinen, gesamtgesellschaftlichen Interesse. Der Historiker steht abseits von moralischen Wertungen und trägt dafür Sorge, dass die Vergangenheit nicht vergessen wird.“

Die Aufklärung von Handlungen und Straftaten bzw. Verbrechen der Securitate begann im demokratischen Rumänien, im Gegensatz zu anderen osteuropäischen Staaten, sehr schleppend. Erst unter der Regierung Emil Constantinescu wurde ein Gesetz erlassen, das den Bürgern Einsicht in die Akten des Geheimdienstes gewährt. So verzögerte sich zwangsläufig auch die Möglichkeit für die historische Forschung.

Bis in die Familie

Germina Nagas von der Nationalbehörde für das Studium des Securitate-Archivs, ähnlich der deutschen Birthler-Behörde, sprach über die Repressionsstrategien im kommunistischen Rumänien, die quasi alle Aspekte des öffentlichen wie privaten Lebens berührte. Besonders Journalisten, Intellektuelle, Wissenschaftler und Schriftsteller waren einer ständigen Überwachung ausgesetzt. Im Laufe der Zeit entwickelte die Organisation eine große Brutalität. So führte man ein Experiment in einem Gefangenenlager in Pitesti durch. Es brachte die Insassen dazu, ihre Zellengenossen zu quälen und zu ermorden. In Säuberungswellen, Deportationen, Umerziehungsmaßnahmen und Schauprozessen wurde eine allgemeine Stimmung der Angst erzeugt. Die Repressionsmaßnahmen kosteten schätzungsweise 200.000 Menschen das Leben. Dabei war die Tätigkeit der Securitate keineswegs auf das öffentliche Leben beschränkt, sondern breitete sich bis in die Familie, das kleinste Gesellschaftsglied aus, wie Smaranda Vultur von der Universität Temeswar darstellte.

Kinder, vornehmlich zwischen zehn und 16 Jahren wurden dazu angehalten, bei ihren Lehrern Berichte über ihre Eltern abzuliefern. Aufgrund ihrer Unwissenheit konnten sie die möglichen Folgen ihrer Tat kaum abschätzen.

(Gf )

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