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(c) PESTER LLOYD / 29. Januar 2008

 

Um jeden Preis: Nabucco gegen SouthStream

Gazprom nimmt sich nach Serbien und Österreich nun Ungarn vor, um mit seiner Pipeline EU-Pläne zu untergraben und die Gemeinschaft zu spalten.

Offizielle Verlautbarungen betonen stets, dass der Bedarf an Gaslieferungen in Europa zukünftig so hoch bleibt, dass durchaus mehrere Pipieline-Projekte lebensfähig uns sinnvoll seien. Doch hinter den Kulissen geht es zwischen "Nabucco" (Lieferungen aus Irak, Iran, Aserbaidshan durch die Türkei) und "Southstream" (aus Russland durchs Schwarze Meer) um einen knallharten Verdrängungswettbwerb und Marktanteil, denn, wer zuerst kommt, liefert zuerst. Dabei gelang es den Russen relativ leicht, die Österreicher zum Judas der EU-Apostel zu machen und wieder einmal nachzuweisen, dass die Gemeinschaft beim Thema Geld sehr schnell aufhört eine zu sein.

Dem russischen Gasgiganten Gazprom fehlt, nach dem Abschluss von Abkommen mit Serbien und Österreich, nun nur noch Ungarn als letzter Baustein für das "Southstream"-Projekt, freute sich kürzlich die russische Tageszeitung „Kommersant“, allerdings könnte das Land nun auch „jeden Preis fordern“. In Serbien hatten es die "Brüder" aus Rußland noch leicht, man konnte das serbische Staatsunternehmen NIS recht billig kaufen und sich so den serbischen Abschnitt der künftigen South-Stream-Pipeline sichern.

Ein weiteres Abkommen wurde gerade mit der österreichischen OMV, die ebenfalls unter indirekter Staatskontrolle steht, getroffen, welche eine 50%ige Beteiligung der Gazprom an der OMV-Tochter Central Europe Gas Hub (CEGH) vorsieht. Diese Beteiligung umfasst den Ausbau des Verteilerzentrums Baumgarten zu der Ost-West-Schnittstelle für den Erdgashandel. Den Österreichern könnte es damit gelingen, sowohl von Nabucco als auch von Southstream zu profitieren.

Interessanterweise kommen die kritischsten Reaktionen zu den russischen Vorstössen aber nicht aus Brüssel, dass sich noch bis Ende des Jahres 2008 Zeit lassen will, bis die endgültigen Entscheidungen für Nabucco fallen, sondern aus Washington. Die USA sehen eine „verstärkte wirtschaftliche Abhängigkeit“ Europas von Russland, meinen aber eigentlich ihre eigenen Interessen, schliesslich verdienen sie an der Gasförderung im Irak, Georgien etc. kräftig mit.

In der jetzigen Situation kann Budapest „jeden Preis für seinen Abschnitt fordern“, meint der Direktor von East European Gas Analysis, Michail Kortschemkin.

Die Nabucco-Pipeline sollte eigentlich zwei Jahre vor South Stream, 2011, in Betrieb genommen werden, doch das Projekt hängt dem Zeitplan hinterher, Taktierereien der Einspeiser seien dafür der Grund. An Ungarn liegt es jetzt, wie schnell Southstream vorankommt. Gazprom, so analysiert der "Kommersandt", konnte in den letzten Jahren mit MOL kein einziges Projekt realisieren, "obwohl es Verhandlungen über den Erwerb eines Teils der Verkehrs- und Handelsaktiva des ungarischen Unternehmens gab und es die Machbarkeitsstudie für South Stream vorbereiten sollte."

In der jetzigen Situation kann Budapest „jeden Preis für seinen Abschnitt fordern“, meint der Direktor von East European Gas Analysis, Michail Kortschemkin. Überreizen sollte Ungarn seine Position jedoch nicht, denn ein Plan B liegt bereit, sollte der Preis zu hoch sein: eine alternative Lieferungsroute ginge über Bulgarien nach Griechenland und durch das Mittelmeer nach Italien. Zwar hätte man dann in Serbien einiges Geld versenkt, wäre aber dennoch im Westen angekommen. Am Parallelprojekt "Bluestream" (eine Kooperation zwischen Rußland und Türkei) hatte der ungarische Premier schon vor einem Jahr Interesse bekundet. Dieses Projekt sei ohnehin realistischer als der " „Traum” von Nabucco. ms.

(c) Pester Lloyd

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