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(c) PESTER LLOYD / 24. November 2007

 

Bulgarien: Flat tax aus Notwehr

"Das Flat tax System ist der einzige Weg, Oligarchen und neureiche Bulgaren überhaupt zum Zahlen von Steuern zu bewegen", offenbarte der ehemalige Ministerpräsident Ivan Kostov.

Das bulgarische Parlament hat Ende vergangener Woche in erster Lesung ein Gesetz zur Einführung einer Flattax verabschiedet. Ab Januar 2008 zahlen Unternehmen pauschal 10% auf alle Umsätze. Damit ist der Steuersatz der niedrigste in der EU und einer der niedrigsten in Europa überhaupt. Das Land verabschiedet sich damit von einem progressiven Steuersystem mit drei Steuerklassen zwischen 20 und 24%.

Die Einführung des Systems löste kontroverse Debatten aus. Die Sozialisten, Juniorkoalitionspartner, meinen, daß dieses System die sozialen Unterschiede im Lande vertiefen wird. Den Reichen werden Geschenke gemacht und der Staat hat weniger Verteilungsmacht.

Die anderen beiden Regierungsparteien hingegen führen nicht nur die Attraktivität für Investoren als Argument ins Felde sondern verweisen auch auf den Umstand, daß geschätzte 30-40% der Ökonomie im Schwarz- und Graubereich ablaufen: "Das Flat tax System ist der einzige Weg, Oligarchen und neureiche Bulgaren überhaupt zum Zahlen von Steuern zu bewegen", offenbarte der ehemalige Ministerpräsident Ivan Kostov (Foto).

Die Erfahrungen mit der niedrigen Pauschalsteuer sind unterschiedlich, Estland machte 1994 den Anfang und berichtet von stabilem Wachstum und gestiegener Transparenz. Auch die Slowakei, Rumänien und Albanien, neuerdings auch Mazedonien werben mit niedrigen Sätzen für ihre Standorte.Sogar Tschechien will 2008 dieses Steuersystem übernehmen.

Experten sehen aber Ausbildungsgrad und Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal, logistische Anbindungen, Transparenz und politische Stabilität sowie strategische Lage als entscheidendere Standortfaktoren als den reinen Steuersatz. Zudem sind kommunale Abgaben und diverse "Gebühren" in der Flat tax nicht enthalten.

(c) Pester Lloyd

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